Ist „kaufen was man kennt“, bzw. “kaufen von jemand, den man kennt” der richtige Handelsansatz? Meinen Sie, dass Sie Ihr Investment mit einem Fragebogen kontrollieren können? Glauben Sie wirklich, Sie oder ein zertifizierter, ausgebildeter Fond-Manager wüssten mit 95%iger Wahrscheinlichkeit in welchen Zielkorridor sich ihre Position in 5 Minuten / 5 Stunden / 5 Tagen / 5 Wochen entwickelt? Wenn Sie jetzt 3 x mit „Ja“ geantwortet haben, sind Sie NICHT alleine auf der Welt! Auch die Manager des Sentry Funds von Fairfield Greenwich Group, die rund 7 Mrd. US$ in Bernard Madoff’s Fund investiert und verloren haben, schienen sich auch von ausweichenden Antworten und Schweigen des ehemaligen NASDAQ Chefs von ihrer Meinung nicht abschrecken zu lassen: Auch wenn der gesunde Menschenverstand rebelliert, Fairfield Entscheider dachten Sie hätten das Risiko im Griff. Sie waren überzeugt, sie taten gut daran einer Ikone der Wall Street zu trauen (also jemand den man kennt) und alle Eier in ein Nest zu legen. An dieser Stelle soll nicht die Qualität des betroffenen Fairfield Risk Manager kritisiert werden. Stattdessen, sollen die weitreichenden Auswirkungen von Over-Confidence beleuchtet werden. Auswikungen, die auch Sie etwas angehen. Wir erinnern uns: Das Phänomen Overconfidence, bzw. Selbstüberschätzung beschreibt die menschliche Tendenz die eigenen Fähigkeiten zu überschätzen. Also auch die Fähigkeit die Fähigkeit andere Menschen zu beurteilen zu überschätzen. Wie erinnern uns weiter: Verluste mit mehreren Mrd. US$, die auf Over-Confidence zurück zuführen sind, gab es mehr als den meisten von uns bewusst wird. 1993 lieh der Teasurer von Orange County Pension Fond, Robert Citron 13 Mrd. US$ zusätzlich zu den existierenden 7 Mrd. US$, die er managte, um zu wetten, das die Zinsen zukünftig niedriger oder gleich blieben. Das Gegenteil trat ein, die Zinsen stiegen! Auf Anfragen, woher er das einschätzen könne antwortete er: „ich kenne mich da aus. Ich bin einer der größten Investoren“. Mit dem folgenden zwei Mrd. US$ Verlust verursachte er – damals – einen der größten Bankrotte öffentlicher Pensionsfonds. Nun, dann lasse ich eben Profis Profis überwachen, werden Sie sich vielleicht sagen. Auch in den Amaranth Advisors Hedge Fund, der Ende 2006 mit Henry Hub Natural Gas Deal mehr als 6 Mrd. US$ Verlust innerhalb eines Monats verursachte, investierten Profi Investoren von Goldman Sachs und Morgan Stanley. Auch diese schienen überzeugt zu sein, das Risiko kontrollieren, bzw. den Fond Manager einschätzen zu können. Schließlich haben sie ihr Geld nicht abgezogen.
Weder der Madoff-Skandal, noch die Amaranth Verluste sind Anzeichen der Krise, wie es die Financial Times Deutschland schreibt, sondern nur die spektakulärsten Auswirkungen von Over-Confidence und des Rückschaufehlers (= hindsight bias). Zahllose Untersuchungen von Neuro-Ökonomen, Psychiater, Psychologen, sowie Anthropologen zeigen in eine Richtung: Menschen neigen zum Überoptimismus, d. h. sie schätzen sich und Ihre Fähigkeiten signifikant zu gut ein. Dazu gehört auch der Spezialfall die Fähigkeit Risiko einer Investition einschätzen zu können. Aufgepasst: Die Tendenz seine eigene Fähigkeit zu überschätzen, betrifft alle Bereiche des Lebens: die eigene Qualität als Autofahrer, Liebhaber, Sportler, oder seine optische Attraktivität, bzw. die Fähigkeit Witze erzählen zu können, die Einschätzung des eigenen IQs, usw…. Der eigene ist immer überdurchschnittlich!
Fragen Sie ein Gruppe von 100 Menschen: “Wer von Ihnen ist im Vergleich zu den anwesenden 99 ein überdurchschnittlicher XYZ?” Werden 75% die Hand heben, und das trotz der Tatsache per Definition, dass 50% in der Gruppe unterdurchschnittlich sein müssen!
Seit den späten 90ern gibt es Gallup-Umfragen bei denen monatlich etwa 1.000 Investoren befragt werden , ob sie mit ihrer Investment- und Handelsstrategie den Markt schlagen: Über die Jahre zeigt sich, dass der Durchschnitt aller Investoren überzeugt ist, dass er persönlich den Markt um 1,5% outperformen. Genauso sind 74% alle Befragten in einer landesweiten Umfrage überzeugt, das der Fond, in den sie investiert haben, den S&P 500-Index hinter sich lässt, und das obwohl die meisten Fonds den Index nicht schlagen. Dasselbe gilt für M&A-Experten. Auf Befragung gaben sie an, dass durchschnittlich nur 37% aller Transaktionen dem Käufer einen Mehrwert bieten. Sollten die Experten den durchschnittlichen Mehrwert-Quote der Transaktionen beurteilen, bei denen sie beteiligt waren, ergab sich das durchschnittlich 58% aller Transaktionen einen Wertzuwachs für den Akquisiteur brachte. Hm, wie geht denn das statistisch?
OK, werden Sie sagen, was hat das mit Traden zu tun, werden Sie sich vielleicht fragen? Die Tendenz zur Überschätzung ist systematisch und automatisch (!). Sie hat im Laufe der Evolution Sinn gemacht. Voll- und Teilzeit-Trader beschäftigen sich überdurchschnittlich viel mit Faktoren, die die Kurse beeinflussen. Sie wissen, wann welche Meldungen kommen, wann die Berichtssaison eröffnet ist. Sie haben Muster in der Vergangenheit gesucht und sich ein eigenes Trading-System aufgebaut. Untersuchungen von Tradern schlagen in dieselbe Kerbe: Trader überschätzen Ihre Fähigkeiten systematisch. Und das führt zu den Handelsverlusten.
Tatsache hingegen ist, dass Menschen sehr schlecht Kurse und Entwicklungen vorhersehen:
Eine Business Week Studie verglich den Consensus der Wall Street Analysten über 10 Jahres mit den Ist-Ergebnissen der Kurse: Ergebnis: Die durchschnittliche Abweichung ist größer als 16%. David Dremann verglich in einer Studie die prognostizierte Ergebnisse der Wall Street Analysten mit den tatsächlichen Unternehmensergebnisse: die durchschnittlich Abweichung betrug 41% ! Und selbst wenn Sie Unternehmensergebnisse im Vorfeld kennen – also Insiderwissen haben – wissen Sie nicht wie der Markt reagiert! Q4 Ergebnisse 2005 für Google: Umsatz + 97%, Profit + 82%: Hatten aber die EPS um 0,5 $ unterschritten. Der Markt bestrafte innerhalb kurze Zeit: – 16%. Der Handel wurde anfänglich ausgesetzt, als er wieder eröffnet wurde fiel er von $ 432 auf $ 366. Zusammenfassung: Die um 65 Mio. verfehlt Erwartungen führte zu 20 Mrd. Market Value Verlust. Damit wird deutlich, dass sowohl der durchschliche Investor als auch die „Experten“ weder die Kurse noch die Unternehmensergebnisse, geschweige den die Reaktion des Marktes auf diese Informationen prognostizieren können
Und, mit welcher Eintrittswahrscheinlichkeit schätzen Sie dass Sie richtig liegen, wenn Sie eine Position eingehen? Ich rate Ihnen testen Sie sich! Ansonsten kommt Ihnen der Rückschaufehler teuer zu stehen! Schreiben Sie eine Tabelle und vergleichen Sie Ihre einschätzungen der zuküftigen Entwicklung mit den tatsächlichen Ergebnissen. Sie werden erstaunt sein!
Fragen Sie sich manchmal selbst: „Bin ich ein überdurchschnittlicher Trader?“ Sein Sie ehrlich zu sich! Was haben Sie geantwortet?
Auch ich selber kann mich dem schlecht entziehen. In der Grundgesamtheit der Anleger zähle ich mich zu den durchschnittlich besser Informierten. Ich habe BWL studiert, war in einem MBA Programm in eine Business School, die einmal unter den Top 20 stand und habe in der Analyse einer Großbank gearbeitet. Ich habe einige Bekannte, die arbeiten in der Investment Banking Bereich oder sind erfolgreiche Portfolio Manager. Ich selber bin Daytrader. Auch die emotionalen und psychologischen Stoplerfallen sind mi gut bekannt. Schliesslich schreibe ich regelmäßig in meinem Blog darüber, halte wöchentlich 1-2 Vorträge zu dem Thema, das irrationale Gehirn, und kann es in der täglichen Coaching Praxis einsetzen. Daneben bin ich selber aktiver Trader und ich weiß um die Tendenz zur Selbst-Überschätzung. Wie sieht es bei mir aus? Auch da bin ich absolut durchschnittlich: Ich überschätze mich! Aber: Ich weiß, dass ich das tue!
Was den Trader in den Abgrund zieht ist aber nicht Selbst-Überschätzung an sich, sondern das Unwissen darüber das man sie hat. Positiv ausgedrückt: Man muss wissen was man nicht weiss und nicht kann!
Das „teuflische“ ist, das Experten tendenziell eher anfällig für Over-Confidence sind als „Laien“: Ausformuliert heißt das: Je mehr Du weißt, desto größer ist die Tendenz Sachen zu wissen, die man nicht weiß.
Es gibt Analysen über die Entwicklung von Portfolios, die zeigen folgendes Schema: diejenigen mit den meisten Transaktionen, erzielen die schlechtere Rendite! Ähnliche Versuche zwischen Experten (Banker und Analysten) und Laien (Studenten), die die Aktienpreisentwicklung prognostizieren sollten bewiesen, das die Experten sogar etwas schlechter als die Laien abschnitten.
Woran kann das liegen? John Allmans, Neuro-Wisenschaftler des California Institute of Technology, machte eine Experiment mit unerfahrenen Spielern. Er hat 2 verschieden Gruppen einen Kartenstapel gegeben. Die Gruppe konnte zwischen 2 Stapeln auswählen: einem mit hohen Gewinnen und gelegentlichen kleineren Verlusten und einem Stapel kleineren Gewinnen gekoppelt mit größeren Verlusten. Nennen wir das erste den Gewinner-, den andern den Verliererstapel. Nach de Hälfte der Zeit wurden die Stapel vertauscht, ohne dass es die Probanden mitbekamen. Die Gruppe mit dem anfänglichen Gewinnerstapel, die „einen Lauf hatten“, hatte große Probleme damit, dass sich die Regeln geändert hatten. Die Fähigkeit, Fehler zu korrigieren, war ausgeschaltet. Die Sucht nach einem positiven Ergebnis also unsere Emotionen, übermannt die Ratio.
Untersuchungen die das Belohnungssystem von Schimpansen analysierten, fanden heraus: Belohnungen, die mit 50iger Wahrscheinlichkeit eintrafen haben einen höheren und längeren Dopamin Ausschuss produziert als sicherere Belohnungen. Und da unser Gehirn nach Belohnung giert, wählt es häufig die riskantere Alternative. Das alleine widerspricht der Ratio!
Wisse immer was Du nicht weißt, statt unnötig Geld zu verlieren!
Akzeptiere: „Ich weiss es nicht“ anstatt – wenn es zu spät ist – von Fachanwälten für Kapitalmarktrecht gerichtlich vertreten zu lassen!
Wie Mental Coaching hilft nach einer Verlustserie wieder rational zu handeln!


